Wann sind Sie so richtig motiviert?
In der Regel stellen wir uns diese Frage nicht. Wir denken nicht theoretisch darüber nach, was uns antreibt eine Sache gut zu machen, uns ganz und gar für etwas einzusetzen. Manchmal passiert das einfach. Dann sind wir im Flow und machen einfach – und es wird gut.
Ich habe diese Frage kürzlich einigen Eltern in einer Elterngruppe gestellt und alle waren sich einig: Sie sind motiviert für etwas, wenn sie das Gefühl haben, diese Sache gut zu können, kompetent zu sein und wenn sie etwas interessant oder spannend finden. Ein Teilnehmer fügte hinzu, dass es ihn motiviert, wenn andere schätzen, was er tut. Er erzählte von seiner Chefin, die ihm regelmäßig zurückmeldet, dass seine Arbeit und seine Expertise eine große Unterstützung für sie sind. Das sei so ganz anders, als er es von seiner vorigen Arbeitsstelle gewohnt war. Damals habe er nie ein Lob bekommen, sich vielmehr oft kritisiert gefühlt, das habe ihm jegliche Energie geraubt.
Heute bin ich über die Ergebnisse einer Studie gestolpert, der zu folge 17% der Schülerinnen und Schüler die in Schleswig-Holstein die neunte Klasse besuchen in der ersten Hälfte des aktuellen Schuljahres an 21-40 Tagen in der Schule fehlten, weitere 8% an mehr als 40 Tagen. Ein Schulhalbjahr hat etwa 100 Tage.
Nun gibt es für Schulabsentismus sicher vielschichtige Gründe. Forschende zählen etwa familiäre Umstände, schulische Gegebenheiten und individuelle Faktoren wie psychische Gesundheit dazu. Sie betonen aber auch, dass Schulvermeider häufig eine von Misserfolgen geprägte Schulkarriere aufweisen.
Auch für die Lernbereitschaft von Kindern und Jugendlichen gilt: Motivation entsteht dann, wenn sie das Gefühl haben es schaffen zu können und wenn sie Anerkennung und Wertschätzung erfahren. Denn der Mensch strebt nach positiven Erlebnissen. Erleben Kinder und Jugendliche hingegen, dass sie abgehängt sind und die Anforderungen nicht erfüllen können, fühlen sie sich hilflos. Wie soll man sich fürs Vokabellernen motivieren, wenn die Wörter einfach nicht in den Kopf wollen? Wie sich an die Mathehausaufgaben setzen, wenn man keine Ahnung hat, wie man zur Lösung kommt… Und selbst wenn man es schafft, sich trotzdem hinzusetzen und es zu versuchen – Anerkennung gibt es dafür in der Regel noch nicht, sondern höchstens für korrekte Lösungen und gute Noten.
Erleben Kinder das Lernen in der Schule oder die Hausaufgaben als ständigen Kampf ohne Erfolgserlebnis, entwickeln sie Verhaltensweisen, um diese Erfahrungen zu vermeiden. Dann steht nicht das Erreichen eines positiven Ziels im Vordergrund, sondern das Verhindern von Misserfolg, Strafe, Kritik oder negativen Gefühlen: Die Hausaufgaben werden nicht gemacht, anstatt im Unterricht mitzuarbeiten wird geträumt oder Blödsinn gemacht. Und im schlimmsten Fall geht man gar nicht mehr zur Schule…
Doch was tun, wenn ein Kind völlig unmotiviert erscheint und Vermeidungs-verhalten zeigt?
Nehmen wir seine Emotionen ernster!
Ein erster Schritt scheint mir zunächst immer zu sein daran zu arbeiten, dass das Kind sich besser FÜHLT. Erst wenn seine Bedürfnisse gestillt sind, kann es auch inhaltlich Fortschritte machen. Gelingt es uns, die Basis eines guten Gefühls zu schaffen, kann sich das Kind oft besser auf das Lernen einlassen und Anstrengungsbereitschaft zeigen.
Zu einem besseren Gefühl können wir als Eltern oder als Lehrkraft zum Beispiel beitragen, indem wir Verständnis für die Schwierigkeiten des Kindes zeigen. Sagt ihr Kinder bei den Hausaufgaben: „So eine saublöde Aufgabe, das blick ich doch nie!“, entgegnen Sie nicht – wie wir das oft tun - „Ach komm, das ist doch gar nicht so schwer!“, sondern zeigen Sie Verständnis. Sagen sie vielleicht: „Ja, du hast recht, das sieht kompliziert aus. Lass es uns mal gemeinsam anschauen und überlegen.“
Wenn Ihr Kind Vermeidungsverhalten zeigt, könnten Sie auch verstärkt darauf achten, wann Ihr Kind sich kooperativ zeigt und diese Bereitschaft sofort wertschätzend verstärken: „Toll, dass du schon alle Materialien hingerichtet hast!“ oder „Wow, du hast ja alle Hausaufgaben aufgeschrieben.“
Probieren Sie diese beiden Dinge doch einfach mal aus – ich bin gespannt auf Ihre Erfahrungen.
Ihre und Eure Nadine Max